Prof. Dr. Reinhard Haller
Ein alter Weihnachtsbrauch wird in Bodenmais wieder lebendig
Die Kirchenkrippe
Früheste Nachrichten über die Existenz einer Krippe in Bodenmais kommen aus dem Jahre 1721. Wir erfahren: „Im Gottshaus Mariä Himmelfarth seint ain Heiligs Grab und ain Krippen“, an beiden werden von den Gläubigen Naturalopfer niedergelegt, die dem Ortspfarrer gehören: Eier, Schmalz, Flachs und Hühner. Seltener fallen ein paar Münzen in den Stock. Ein armer Mann besorgt das Moos für die Krippenlandschaft und der Schullehrer erhält für das „Aufmachen und Abbrechen des Krippel“ 7 Kreuzer!
Eineinhalb Jahrhunderte lang ist erwähnte Weihnachtskrippe Ziel von Kindern und Eltern, die das Christkindl besuchen, eben „das Kripperl anschauen“. 1870/71 wird die Pfarrkirche im neoromanischen Stil umgestaltet. Das barocke Kripperl muß jetzt einer nazarener Ausgabe Platz machen. Wir älteren Bodenmaiser haben diese stattliche Krippe und dazu den Krippenautomaten neben dem „Germäu-Stejh“ noch gut im Gedächtnis.
Private Krippenpflege
Erst viel später tritt die Krippe in die private Sphäre ein. Mündlich überliefert werden für die Zeit um 1900 Kripperl im Pfarrhaus, in den Wohnungen der Bergwerksbeamten, bei einigen Geschäftsleuten und beim Königlichen Hauptlehrer Franz Xaver Mückl. Der lädt am letzten Schultag vor der „Weihnachtsvakanz“ seine Schüler in das Wohnzimmer im ersten Stock des „Alten Rathauses“, wo Lieder abgesungen und kleine Geschenke verteilt werden. Der „Alte Weber von der Lohwies“ und der „Schreil Max“ sind damals dabei gewesen, von ihnen stammt dieser Hinweis.
Mit Zunahme der gezierten Christbäume ab 1905/10 werden auch die Hauskripperl zahlreicher. Nur wenige sind aus Holz geschnitzt, die meisten bestehen aus Papiermaché, Gips oder aus bedrucktem Karton. Solche „Ausschneide- oder Mandlbogen“ kann man 1913 bis 1919 bei Franziska Hutterer, „Handel mit Christbaumschmuck“, erstehen. Sie werden im Kreis der Familie ausgeschnitten und mit Holzbrettchen bzw. einem Querholz unterlegt, „damit sie stehen können“.
Kripperl als Teil der Brautaussteuer werden ab ca. 1930 häufiger und sie haben allesamt dasselbe Los: manchen der gipsenen Hirten fehlen nach wenigen Jahren die Köpfe, Schafe verlieren beim „Kripperlaufstellen“ und nachher ihre dünnen Beine und bisweilen gerät auch das meist wächsene Christkindl unter das Weihnachtspapier und wird nicht mehr gefunden. Dann sind die bastelnden Väter gefragt oder es wird nach Ersatz gesucht. Und so verwandelt sich das anfänglich einheitliche Gesamtbild mit den Jahren in ein Sammelsurium von Figuren verschiedener Qualität. Komplette Krippen aus älterer Zeit sind selten.
Krippen des „Herrgottschnitzers“
Ab etwa 1970 findet das weitaus dauerhaftere Kripperl aus Schnitzholz schnell Eingang in die Häuser. An ihrer Fertigung und Verbreitung sind nicht zuletzt „DER HERRGOTTSCHNITZER VON BODENMAIS“, Joachim von Zülow und seine schnitzende und faßmalende Familie beteiligt. Wie die übrigen Schnitzereien und Bildhauereien derer von Zülow, sind auch die Kripperl-Schöpfungen von unverwechselbarem Charakter und „schon von weitem“ erkennbar. v. Zülow knüpft zwar an die traditionelle Volkskunst, er läßt sich von den antiken Exemplaren inspirieren, geht dann aber konsequent eigene künstlerische Wege.
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